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Bollywood in Hessen

Eine indische Tänzerin aus Darmstadt zeigt, was die melodramatischen Musicals ausmacht

Dienstag, 19. September 2006, 22:15 Uhr
Bollywood in Heppenheim
Bollywood in Heppenheim (Bild: hr)
Das Gastland der Frankfurter Buchmesse ist in diesem Jahr Indien. In einer neuen Serie stellt „Hauptsache Kultur“ Inder aus Hessen vor. Und neben Schauspielern und Musikern gibt es sogar Bollywood-Tänzerinnen, wie Chandni aus der Nähe von Darmstadt.
 

Denn die Inder haben Hessen als Kinoland entdeckt – für ihre Bollywood-Filme. Diese melodramatischen Filme werden auch in Deutschland immer beliebter, in Indien sind sie längst zum Kult geworden. In fast jedem davon gibt es romantische Szenen, die in den Schweizer Bergen spielen. Das indische Publikum findet das exotisch – jetzt haben die Filmemacher die hessische Bergstraße als ideale Filmkulisse entdeckt.

„Hauptsache Kultur“ war mit Chandni bei den Aufzeichnungen für den Bollywood-Film „Der Verräter“ dabei – gedreht wurde mitten auf Heppenheims historischem Marktplatz.

Bericht: Lucie Hermann
 

Text des Beitrags

Das ist Chandni (Tschandni) aus Bombay. Sie hat eine große Leidenschaft: zu tanzen wie die großen Stars des indischen Kinos – wie die Tänzer aus Indiens Traumfabrik Bollywood.
Seit 4 Jahren lebt Chandni in der Nähe von Darmstadt. Gemeinsam mit ihrem deutschen Mann geht sie bei jeder Gelegenheit ins Kino, in die neuesten Bollywood-Produktionen - versteht sich.
Inzwischen wird Bollywood auch in Deutschland immer beliebter, in Indien sind die melodramatischen Filme längst Kult.
Große Gefühle, leuchtende Farben, mitreißende Rhythmen und Tänze sind das Markenzeichen dieser Filme. Publikumsliebling Nr. 1 ist Shah Rukh Khan (Scharuck Kahn).
In fast jedem Bollywood-Film gibt es Szenen, die in den Schweizer Bergen spielen. Das indische Publikum findet das exotisch und die Schweiz wurde zum Reiseziel indischer Touristen. Nun hat die größte Filmindustrie der Welt auch die hessische Bergstraße entdeckt. Hier proben drei Hauptdarsteller eine Tanzszene für den Film "The Traitor", "Der Verräter" mitten auf Heppenheims historischem Marktplatz.
Das Wetter ist nicht ideal – aber Regisseur Vinod Kumar Singh läßt sich nicht aus der Ruhe bringen. Auch nicht von der zahlreich erschienenen Presse, die diesen ersten Dreh in Heppenheim begleitet.
Auch Chandni, die Bollywoodtänzerin ist neugierig, was ihre Landleute hier drehen.
Nur zur Einstimmung für die Schauspieler kommt die Begleitmusik aus dem kleinen Kassettenrecorder. Gedreht wird stumm, erst in Indien wird der Film synchronisiert.

Vinod Kumar Singh, Regisseur: "Heppenheim ist bisher von Bollywood noch nicht entdeckt worden, dabei ist es ein wunderbarer Drehort. Und die Leute sind alle sehr freundlich. Hier kann man alles drehen, die Landschaft, das Rathaus, dieser Marktplatz, alles ist großartig. Jede Ecke ein Drehort."

Hessen als Kinoland, das klingt gut. Die Region der hessischen Bergstraße jedenfalls verspricht sich viel von den Dreharbeiten der Bollywood-Produktionen und hat große Pläne für die nächsten Jahre.

Matthias Wilkes, Landrat: "Wir werden einem Milliardenpublikum in Indien ja die Filme präsentieren können und mit der Gründung des ersten deutsch-indischen Filmbüros, was wir in der westlichen Welt haben jetzt in Heppenheim, werden wir jedes Jahr zehn Filme haben, die hier in der Region gedreht werden. Damit sprechen wir Touristen des 21. Jahrhunderts an aus Indien, der zweite Standort wird dann China werden. Damit wollen wir werben und ich denke, dass war damit auf einem guten Weg sind."

Und vielleicht bekommt die indische Tänzerin Chandni dann eine Chance, die Filmteams aus ihrer Heimat mit eigenen Choreographien zu unterstützen. Geeignet wäre sie auf jeden Fall.

Chandni, Bollywood-Tänzerin: "Wenn ich tanze, dann bewege ich mich vollkommen in einer anderen Welt, in meiner Phantasie. Ich weiß dann gar nicht, was sonst noch existiert. Ich bin dann ganz bei mir selbst und dieser indische Tanz, dieser Bollywood-Tanz, kommt ganz aus meinem Inneren, aus meiner Seele. Denn indisch auszusehen oder indisch gekleidet zu sein, ist längst nicht alles, es gehört sehr vielmehr dazu, um wirklich zu erkennen, ja, sie ist indisch."

Schon in der Schule hat Chandni mit dem Tanzunterricht begonnen, später bei einem der berühmtesten Choreographen Bollywoods studiert. In ihren Kursen bringt sie Deutschen und Indern den Bollywood-Tanzstil bei, eine Mischung aus klassischem indischen Tanz, Folklore und dem, was man aus Videoclips kennt. Dabei spielt die Sprache der Hände eine ganz besondere Rolle ...

Chandni, Bollywood-Tänzerin: "Die Hände sind sehr wichtig im Bollywood-Tanz. Der Text der Songs und die Emotionen müssen allein mit den Händen ausgedrückt werden. Wenn Du schüchtern bist, machst du das so ... die Hand über den Augen hat einen bestimmten Ausdruck, wenn du lächelst oder lachst, dann machst du so ... Im Grunde zeigst du dem Publikum, allein durch die Bewegung der Hände, was der Song bedeutet."

Tanzen ist auch in Deutschland der Mittelpunkt in Chandnis Leben geblieben. Sie tanzt nach ihren eigenen Choreographien, voller Emotion und Lebensfreude. Und wer weiß, vielleicht kommen Bollywood und die Tänzerin aus Darmstadt eines Tages zusammen.
 
(nrc / miti)
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